
Manipulation klingt sehr nach Krimi oder Politik. Aber auch im Arbeitsumfeld legen Menschen manipulatives Verhalten an den Tag. Und selbst in Kanzleien kommt das gar nicht mal so selten vor! Oft passiert das sehr subtil und so geschickt, dass die diejenigen, die manipuliert werden, es erst im Nachhinein bemerken. In meinem Beitrag zu toxischen Beziehungen am Arbeitsplatz habe ich das Thema schon einmal gestreift. In diesem Beitrag schauen wir genauer hin und klären, wie man Manipulation im Kanzleialltag erkennt und wie man sich dagegen wehren kann.
Was ist Manipulation und woher kommt sie?
Manipulation bedeutet, jemanden dazu zu bringen, etwas zu tun, das er oder sie eigentlich nicht tun will. Das passiert selten offen. Stattdessen laufen diese Prozesse verdeckt ab. Wir alle haben Schwachstellen, über die wir erreichbar sind. Die eine lässt sich leicht einschüchtern, die andere reagiert stark auf Lob, wieder jemand anderes hat schnell ein schlechtes Gewissen. Manipulation funktioniert immer dort, wo jemand einen emotionalen Knopf bei Dir drückt.
Wichtig: Nicht jeder Mensch, der schwierig im Umgang ist, hat manipulative Tendenzen. Und längst nicht jedem Menschen ist es bewusst, dass er oder sie andere instrumentalisiert. Nicht immer steckt also eine böse Absicht dahinter. Aber wenn ein bestimmtes Verhalten regelmäßig gezielt und strategisch eingesetzt wird, um Dich zu steuern, solltest Du aufmerksam werden.
Ein Teil der Erklärung liegt in Persönlichkeitsmerkmalen wie dem sogenannten Machiavellismus – einem Bestandteil der „dunklen Triade“, über die ich hier schon mal geschrieben habe. Menschen mit stark ausgeprägtem Machiavellismus handeln strategisch und berechnend, stellen ihren eigenen Vorteil über moralische Bedenken, zeigen wenig Mitgefühl und können ihre Emotionen gut verbergen. Personen mit manipulativem Verhalten passen sich außerdem flexibel an Situationen an und wechseln bei Bedarf die „Maske“. Wird es kritisch, treten sie plötzlich freundlich oder hilfsbereit auf. Genau deshalb fliegen sie oft erst spät auf.
Wie zeigt sich Manipulation im Kanzleialltag?
Ich hoffe natürlich, dass Du selbst noch keine Manipulation in Deinem Arbeitsumfeld erleben musstest. Aber grundsätzlich können sowohl Chefs als auch Kolleginnen manipulativ handeln. Chefs mit manipulativen Tendenzen kannst Du daran erkennen, dass
- sie Dich gegen andere ausspielen,
- sie eher mit Andeutungen statt klaren Aussagen arbeiten
- und Sie Dich erst überschwänglich loben und danach mehr Einsatz verlangen.
Bei Chefs lässt sich manipulatives Verhalten auch daran erkennen, dass sie gerne subtil mit Druck arbeiten und Sätze sagen wie: „In anderen Kanzleien wäre das längst erledigt.“ Oder: „Über Engagement wird bei der nächsten Beförderung natürlich nachgedacht.“ Hier wird mit Deiner Unsicherheit gespielt. Wenn Du merkst, dass Du eher aus Angst statt aus Überzeugung etwas tust, solltest Du hellhörig werden.
Kolleginnen oder Kollegen mit manipulativer Ader haben oft die Angewohnheit,
- sich als überfordert oder hilflos darzustellen,
- zu versuchen, Dich emotional auf ihre Seite zu ziehen
- im Hintergrund mit Gerüchten oder Halbwahrheiten zu arbeiten.
Eine sehr verbreitete Technik ist beispielsweise das gezielte Loben: „Du bist die Einzige, die das so gut kann.“ Oder: „Ohne Dich würde hier alles zusammenbrechen.“ Grundsätzlich ist Lob natürlich nichts Schlechtes. Doch wenn Du solche Schmeicheleien ständig zu hören bekommst und danach mit schöner Regelmäßigkeit eine Forderung oder Bitte an Dich gestellt wird, steckt vermutlich System dahinter. Denn die Schmeichelei erzeugt gute Stimmung. Und genau in diesem Moment steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Du zustimmst.
Eine andere Strategie ist das systematische Spielen mit Schuldgefühlen. Vorsicht ist beispielsweise geboten, wenn eine Kollegin Dich nie direkt um etwas bittet, sondern ihr Anliegen immer nach dem Motto „Ach, ich schaffe das sowieso nie“ formuliert. Das Muster dahinter: Die Kollegin begibt sich gezielt in die Opferrolle. Wenn Du dann einspringst, fühlt es sich an wie Deine Idee, obwohl Du in Wirklichkeit emotional unter Druck gesetzt wurdest.
Woran erkennst Du, dass Du manipuliert wirst?
Tatsächlich ist es in Fällen von Manipulation hilfreich, wenn Du auf Dein Bauchgefühl oder Deine innere Stimme hörst, die Dir signalisieren: „Hier stimmt etwas nicht.“ Wenn Du zum Beispiel häufig Ja sagst, obwohl Du Nein meinst, oder Du das Gefühl hast, ausgenutzt zu werden, solltest Du dieses Bauchgefühl ernst nehmen. Auch dann,
- wenn Du in der Kanzlei oft Aufgaben übernimmst, die eigentlich nicht Deine sind,
- Du Dich nach Gesprächen klein oder unter Druck gesetzt fühlst
- oder Du Dinge tust, die nicht Deinen Werten oder Interessen entsprechen, nur um Konflikte zu vermeiden oder Anerkennung zu bekommen,
dann gilt: Vertraue Deiner Intuition! Denn sie reagiert oft schneller als unser Verstand.
So kannst Du Dich wehren
Mit diesen vier Strategien kannst Du gegen Manipulation vorgehen:
- Mach das Verdeckte sichtbar: Wenn die Karten auf dem Tisch liegen, läuft Manipulation oft ins Leere. Also sprich offen und ohne Emotionen an, was Dir aufgefallen ist. Etwa so: „Ich habe den Eindruck, dass hier gerade Druck aufgebaut wird.“ Sobald Du die Manipulation offenlegst, verliert sie an Kraft.
- Tausch Dich im Team aus: Wenn Du unsicher bist, sprich mit Kolleginnen, denen Du vertraust, und frage sie, wie sie die Situation wahrnehmen. Manchmal hilft ein externer Blick enorm. Und wenn ein einzelnes Teammitglied manipulativ handelt, darfst Du auch das Gespräch mit dem Chef suchen – sachlich und faktenbasiert.
- Setze klare Grenzen: Menschen mit Tendenz zum Manipulieren testen, wie weit sie gehen können. Je früher Du klare Grenzen setzt, desto besser. Oft reicht schon ein einfacher Satz wie: „Dafür bin ich nicht zuständig.“ Oder: „Das passt heute nicht.“
- Sorge für Veränderung: Bei Kolleginnen mit manipulativen Tendenzen kann manchmal ein Team- oder Raumwechsel helfen. Es gibt leider aber auch Fälle, in denen Du langfristig keine Veränderung erreichen wirst, wenn zum Beispiel der Chef regelmäßig manipulatives oder uneinsichtiges Verhalten an den Tag legt. In solchen Extremfällen solltest Du über einen Wechsel des Arbeitgebers nachdenken. Das klingt zwar hart, aber Deine psychische Gesundheit sollte immer Vorrang haben.
Manipulation am Arbeitsplatz kommt leise, charmant oder hilfsbedürftig daher. Je früher Du erkennst, dass etwas nicht stimmt, desto leichter kannst Du gegensteuern. Dein Bauchgefühl ist dabei ein wertvoller Kompass. Klare Kommunikation, Transparenz und gesunde Grenzen sind in Fällen von Manipulation am Arbeitsplatz Deine stärksten Werkzeuge.