
Warum die Ausbildereignung nach AEVO für Fachangestellte ein Schlüssel sein kann
Die Ausbildereignungsprüfung nach AEVO steht ausdrücklich Rechtsanwaltsfachangestellten und Rechtsfachwirt/innen offen. Diese Möglichkeit ist erstaunlich wenig bekannt, obwohl sie ein wirkungsvoller Hebel für Ausbildungsqualität, Selbstwirksamkeit und professionelle Weiterentwicklung ist. Ich selbst habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass dieser Weg auch für uns offensteht. Nicht, weil die Information schwer zu finden wäre, sondern weil sie kaum jemand ausspricht.
Meine Ausbildung und was ihr gefehlt hat
Menschlich war meine Ausbildung in Ordnung, fachlich jedoch lückenhaft. Ich erledigte Diktate und Rechnungen nach Vorgabe, aber niemand erklärte mir Abläufe oder Zusammenhänge. Alles, was über das Tagesgeschäft hinausging, blieb liegen. Nicht aus Bosheit, sondern aus Zeitmangel. Diese frühen Erfahrungen haben mir gezeigt, wie stark Auszubildende davon abhängig sind, dass jemand ihnen Orientierung gibt und Wissen strukturiert weitergibt.
Hinzu kam, dass ich in der Kanzlei allein mit zwei Anwälten war. Es gab niemanden, der mich wirklich anleitete. Als im zweiten Ausbildungsjahr eine neue Auszubildende dazukam, sollte ich sie einarbeiten, obwohl ich selbst kaum Routine hatte. In der Berufsschule war ich stark, im Kanzleialltag unsicher. Diese Diskrepanz hat meinen Einstieg ins Berufsleben erschwert und mich geprägt. Später verstärkte ein Vorgesetzter diese Unsicherheit, statt sie abzufedern. Genau deshalb ist mir gute Ausbildung bis heute so wichtig.
Der Moment, der alles verändert hat
Als ich erfuhr, dass die AEVO auch für ReFas und ReFaWis offensteht, war ich zuerst irritiert und dann entschlossen. Warum wusste ich das nicht?
Diese Erkenntnis hat in mir eine grundlegende Frage ausgelöst: Was wäre möglich, wenn wir Fachangestellten Ausbildung nicht nur mittragen, sondern aktiv gestalten? Wenn wir nicht nur ausführen, sondern erklären? Wenn wir nicht nur funktionieren, sondern führen?
In diesem Moment habe ich verstanden, dass Veränderung nicht irgendwo beginnt, sondern bei mir. Dass ich in meinem Umfeld Einfluss habe und dass jeder Beitrag zählt, wenn wir eine Ausbildungskultur schaffen wollen, die wirklich trägt.
Die AEVO ist ein Gamechanger, nicht nur für Führungskräfte
Die AEVO ist kein „nice to have“, sondern ein Werkzeug, das den Kanzleialltag nachhaltig verändert. Sie vermittelt Fachangestellten das Wissen, wie man Lernprozesse strukturiert, Aufgaben verständlich erklärt und Auszubildende sicher anleitet. Genau diese Kompetenz fehlt in vielen Kanzleien und sie entscheidet darüber, ob junge Menschen Orientierung finden oder im Alltag untergehen.
Die AEVO stärkt damit nicht nur die Qualität der Ausbildung, sondern auch die Rolle der Fachangestellten selbst. Wer ausbilden kann, gestaltet mit. Wer Wissen weitergibt, übernimmt Verantwortung und wer Verantwortung übernimmt, prägt die Zukunft der Kanzlei.
Unsere Auszubildenden sind nicht einfach Helfer: Sie sind die Ausbilder von morgen und wir entscheiden heute, wie gut sie morgen ausbilden können.
Vom Aushalten zum Gestalten: Meine persönliche Entwicklung
Ich bin in einem Arbeitsumfeld gestartet, in dem Wertschätzung knapp war und Anleitung kaum stattfand. Ich habe lange versucht, alles auszuhalten und zu kompensieren. Weiterbildungen habe ich schon immer gemacht, aber die Entscheidung für die Aufstiegsweiterbildung zur geprüften Rechtsfachwirtin habe ich erst mit Mitte dreißig getroffen und vollständig selbst finanziert. Sie war ein bewusster Schritt, Verantwortung für meine eigene Entwicklung zu übernehmen.
Mit der Zeit habe ich verstanden, dass ich nicht alles tragen muss. Dass ich gestalten darf, Grenzen setzen darf und Verantwortung bewusst übernehmen kann. Dieser Perspektivwechsel war der Moment, in dem ich erkannt habe, dass ich Einfluss habe: auf meinen Arbeitsalltag, auf die Menschen um mich herum und auf die Art, wie Ausbildung gelebt wird.
Die AEVO ist für mich deshalb kein Zertifikat, sondern ein Werkzeug, das genau diese Selbstwirksamkeit stärkt. Sie zeigt, dass Fachangestellte – egal ob ReFa oder ReFaWi – nicht nur mitarbeiten, sondern Ausbildung aktiv prägen können, indem sie Abläufe verständlich erklären, Orientierung geben und Wissen so weitergeben, dass junge Menschen sicher arbeiten können. Genau hier beginnt Gestaltung.
Der konkrete Nutzen der AEVO für Kanzleien, Teams und die gesamte Branche
Gute Ausbildung ist kein Luxus. Sie entlastet Kanzleien, stärkt Teams und sorgt dafür, dass junge Menschen fachlich sicher und menschlich stabil in den Beruf starten. Wenn Fachangestellte wissen, wie sie Aufgaben nachvollziehbar vermitteln, Auszubildende sicher begleiten und Wissen Schritt für Schritt aufbauen können, verbessert das die Zusammenarbeit im gesamten Team.
Die AEVO ist deshalb nicht nur ein persönlicher Schritt, sondern ein Beitrag zur Fachkräftesicherung in unserer Branche. Gute Ausbildung schützt, stärkt und bindet: Sie schafft ein Umfeld, in dem junge Menschen wachsen können, statt zu scheitern.
Ich will Mut machen, neue Rollen einzunehmen
Mut, größer zu denken, als es uns oft zugetraut wird. Mut, Verantwortung nicht nur zu tragen, sondern bewusst zu gestalten. Mut, sichtbar zu werden. Auch dann, wenn wir uns noch nicht vollkommen bereit fühlen. Denn genau so beginnt Veränderung.
Wir brauchen mehr ReFas und ReFaWis mit AEVO. Wir brauchen Menschen, die Ausbildung bewusst gestalten. Wir brauchen eine Community, die vorangeht.
Lasst uns Ausbildung neu denken
Wenn wir wollen, dass sich in unserer Branche wirklich etwas verändert, müssen wir Ausbildung neu denken: Gemeinsam und bewusst. Die AEVO eröffnet Fachangestellten die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und die Qualität der Ausbildung aktiv mitzugestalten.
Veränderung beginnt dort, wo Menschen den Mut haben, neue Rollen einzunehmen und jungen Menschen ein Umfeld zu schaffen, in dem sie wachsen können.
Weil Ausbildung dort stark wird, wo wir Verantwortung gemeinsam tragen.